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Hintergründe zu den WIR-GESCHICHTEN

Ein Gespräch mit dem Autor


Sie galten bisher als bewährter Autor von Marken-Krimis.  Was hat Sie dazu bewogen, nun den Wechsel «Vom Marken-Krimi zur WIR-GESCHICHTE» anzukündigen?


Dieser Wechsel ist keineswegs so abrupt, wie es zunächst klingen mag. Er beruht auf einer Neudefinition und Neubewertung dessen, was ich bisher getan habe. Und auf dem Wunsch, mein Schreibangebot zu erweitern.


Wenn Sie sagen, es sei gar kein abrupter Wechsel: Was bleibt denn gleich?


Meine Überzeugung, dass eine gute Geschichte ein ideales Medium dafür ist, Interesse an einem WIR und Gefühle dafür zu wecken und zu fördern. Alle reden von Storytelling. Ich nehme diese Aufforderung ernst und erzähle Geschichten, in denen immer eine bestimmte menschliche Gemeinschaft eine Hauptrolle spielt.


Das fällt auf: Statt von einer Marke reden Sie jetzt von einem WIR. Was steckt da dahinter?


Die Einsicht, dass eine Marke letzten Endes eben doch ein abstrakter, marketingtechnischer Begriff ist. Und dass es stattdessen um jene Menschen geht, die zusammen ein WIR bilden. Um die Menschen hinter einer Marke. Also um diejenigen, die eine Marke herstellen oder die Bürgerschaft einer Gemeinde bilden.


Da liessen sich auch noch andere Arten eines WIR denken…


Sicher, daran ändert sich nichts. In meiner Referenzenliste wird ersichtlich, dass meine bisherigen Auftraggeber ein breites Spektrum bilden: Von einer Schulgemeinde bis zu einem Altersheim, vom Hersteller von Pflanzenmedizin bis zur Bergbahn, vom globalen Konzern bis zum Fussballclub. Nicht zu vergessen Hotel und Gemeinden.  Daran soll und wird sich (hoffentlich) nichts ändern.


Als zweite Änderung fällt auf, dass Sie nicht mehr von Krimis reden, sondern von Geschichten. Also schreiben Sie keine Krimis mehr?


Doch natürlich. Aber auf meinen Krimis steht längst nicht mehr «ein Krimi», sondern «eine Kriminalgeschichte». Und in vielen dieser Kriminalgeschichten sind auch andere Genres integriert, Familiengeschichten, Fantasy-Geschichten und so fort. Nachdem diese Einsicht gereift ist, meldete sich mein Freiheitsdrang und fragte: «Müssen wir uns eigentlich so auf ein Genre einengen? Wäre eine Erweiterung der Genres nicht viel besser?»


Und Sie haben die Frage bejaht, nehme ich an.


Allerdings: Warum nicht mal einen Liebesroman als WIR-Geschichte einsetzen? Oder einen Bergroman? Oder eine Mischung aus unterschiedlichen Formen und Genres?


Erhoffen Sie sich davon ein attraktiveres Angebot für ihre potenziellen Auftraggeber?


Aber sicher. Sie können jetzt eine wirklich massgeschneiderte Geschichte erwarten, deren Form am besten zu ihnen passt.


Überfordert es die Auftraggeber nicht, wenn sie das selbst bestimmen müssen?


Möglicherweise ein wenig, aber ich bin ja auch noch da. Und bringe meine Ideen zur passendsten Form mit ein. Entschieden wird dann gemeinsam.


Und hat diese Erweiterung des formalen Angebots auch für Sie Vorteile?


Oh ja! Ich schreibe zwar nach wie vor liebend gerne Krimis, doch ich habe gemerkt, dass mich auch andere Formen reizen. Mein aktuelles Werk etwa ist kein Krimi, sondern eine Familiengeschichte, die weit in die Vergangenheit reicht. Das WIR ist in diesem Fall also eine Familie. Und eigentlich ist es eine Fluch-Geschichte, über die ich allerdings noch nicht mehr verraten kann.


Verständlich. Aber trauen Sie sich denn eine Erweiterung ihres Schreibens auf andere Formen überhaupt zu?

Klares Ja. Erstens ist das alles für mich, wie erwähnt, nicht ganz neu, ich habe schon verschiedene Formen und Genres ausprobiert. Und zweitens liebe ich neue Herausforderungen. Sie lassen mich zu Höchstform auflaufen, und das wird auch hier so sein.


Ihre Geschichten werden, wie Sie ankündigen, nach wie vor eine Mischung aus Facts und Fiction bilden. Ist es eigentlich nicht mühsam, sich immer wieder auf ein neues WIR einzustellen und herauszufinden, um welche Fakten es diesem WIR geht?


Im Gegenteil, es macht mir Spass. Ich lerne immer wieder neue Lebenswelten kennen, und das hält jung.  Zugute kommt mir dabei, dass ich offenbar einen Blick für das Wesentliche eines WIR habe. Jedenfalls haben mir zum Beispiel viele Gemeindevorsteher bescheinigt, ich hätte ihre Gemeinde sehr klar wahrgenommen und in der Geschichte gut getroffen.


Apropos Spass: Macht ihnen das Ausdenken und Schreiben von immer wieder neuen Geschichten noch Spass? Ich meine, in Ihrem Alter könnten Sie es doch etwas ruhiger angehen lassen…


Könnte ich, will ich aber nicht. Ich meine: wozu? Ich schreibe nach wie vor für mein Leben gerne. Sicher, diese Tätigkeit ist manchmal mühsam und oft anstrengend, und allein ist man dabei auch, doch der Spass daran überwiegt. Und schenkt mir persönliche Befriedigung. Deshalb mache ich liebend gerne weiter…


Schön für Sie. Sie wollen sich also in Ihrem Schreiben weiterentwickeln?

Nicht nur da, aber klar. Ein berühmter Musiker wurde mal gefragt, warum er trotz seines hohen Alters weiter übe und spiele. Solange er dabei immer noch ein wenig besser werde, sehe er keinen Grund zum Aufhören, lautete seine Antwort. Und so ähnlich geht es mir auch.


Es geht Ihnen also um Entwicklung. Und wenn ich das richtig sehe, ist für Sie der Schritt vom Marken-Krimi zur WIR-GESCHICHTE kein revolutionärer Schritt, sondern ein evolutionärer.

Ganz recht. Evolutionäres Denken war und ist mir wichtig. Dazu muss ich Ihnen noch eine hübsche Geschichte erzählen.


Nur zu.

Just in der Zeit, als ich begann, mich intensiver mit dem nächsten Evolutionsschritt meines Angebots zu beschäftigen, habe ich, wirklich nur aus Zufall, in meinem Datenspeicher ein Manuskript von mir entdeckt, von dessen Existenz ich längst keine Ahnung mehr hatte. Kein Wunder, es war vor sechzehn Jahren geschrieben worden, wurde nie vollendet, geschweige denn publiziert.


Na ja, dann kann man so ein Ding schon mal vergessen. Aber wo ist die Pointe?


Das Manuskript trug im Titel seine Hauptthematik: Auto-Evolution.


Ich nehme an, dabei ging es nicht um die Evolution des Automobils? Dazu haben Sie doch bekanntlich keine grosse Affinität.

Stimmt. Nein, es ging um die Evolution des einzelnen Menschen, also um dessen stetige Weiterentwicklung, manchmal in ganz kleinen, manchmal in ziemlich grossen Schritten. Dass ich ausgerechnet in einer Phase meines Lebens, in denen im Bereich meiner Tätigkeiten ein grösserer evolutionärer Schritt angesagt war, auf diesen Text gestossen bin, hat mir geholfen. Bei der Orientierung und Einordnung. Und ich habe gelernt: Der Schritt vom Marken-Krimi zur WIR-GESCHICHTE ist eine wichtige Etappe meiner Auto-Evolution. Und stimmt deshalb. Nicht nur für mich. Sondern auch für meine potenziellen Auftraggeber.


Das klingt wie das Wort zum Sonntag… Belassen wir es dabei. Besten Dank für das Gespräch.


Ich danke Ihnen. Mir hat es bei der Selbstklärung geholfen. 


Interviewer: Alter Ego des Autors